Neben Gebrauchsanweisungen gehören Autorenrichtlinien zu den besonders unbeliebten und gerne ignorierten Textgattungen. Es gibt einfach Spannenderes als die Lektüre von „Richtlinien zur Abfassung von Manuskripten“,  die wir vom Verlag überreicht bekommen, mit dem Hinweis, diese doch bitte aufmerksam durchzulesen und auf das Manuskript anzuwenden, das wir gerade für die Veröffentlichung vorbereiten.

Und natürlich raubt die ganze Anpasserei uns kostbare Zeit, die wir gerade jetzt lieber in die inhaltliche Arbeit am Text stecken würden.

Vom Prokrastinieren bis zum Delegieren: typische Reaktionen

Schau ich mir später an, das Manuskript ist ja noch lange nicht soweit, denken wir uns gerne in einem frühen Stadium. Oder, wenn die Arbeit am Text schon weiter fortgeschritten ist: Ach, das wird jetzt zu knapp. Das können ja dann die Leute vom Verlag machen, schließlich ist es viel wichtiger, den Abgabetermin einzuhalten. Irgendwie ist die Zeit nie günstig für Richtlinien, erst ist es zu früh, dann zu spät.

Warum Richtlinien trotzdem gut sind – auch für Sie!

Manchen fällt nur ein einziges Argument ein, das für die Einhaltung von Richtlinien spricht:  Wer die Vorgaben beachtet, handelt sich aller Voraussicht nach weniger Ärger mit dem Verlag (oder der Institution, die sich als Verlag betätigt) ein als widerspenstige Menschen, die das Regelwerk als besondere Schikane empfinden und es daher schon aus Prinzip ignorieren. Abgesehen von einer harmonischen Zusammenarbeit mit dem Verlag gibt es aber noch eine ganze Reihe weiterer guter Gründe, etwas Aufwand bei der Manuskriptvorbereitung zu treiben:

Erfahrungsvorsprung: Verlagsleute sind Profis, die sich hauptberuflich mit Publikationen beschäftigen und meist über viele Jahre Erfahrung verfügen. Folgt man den Richtlinien, profitiert man von dieser Expertise. Die meisten Regelungen sind Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses und es gibt sie schlicht und ergreifend deshalb, weil sie sich bewährt haben.

Kompromisslösung: Bei interdisziplinär angelegten Reihen und Publikationsprogrammen stellen Richtlinien zudem oft einen aufwendig entwickelten Kompromiss aus unterschiedlichen Fächerstandards dar, den man nicht ohne guten Grund in Zweifel ziehen sollte.

Konsistenzwerkzeug: Richtlinien ersparen einem oft eigene Entscheidungen und helfen dabei, ein Manuskript konsistent zu machen: Überall wo der Verlag schon eine Entscheidung für mich getroffen hat, zum Beispiel bei mehreren möglichen Schreibweisen oder Transkriptionsstandards, muss ich selber keine Entscheidung mehr treffen. Und ich muss da, wo ich mich nicht auskenne, auch nicht mehr lange recherchieren, welche Variante die sinnvollste ist.

Zeit- und Kostenersparnis für alle: In der Regel trägt die Einhaltung von Richtlinien erheblich dazu bei, dass Manuskripte den Publikationsprozess schneller und reibungsloser durchlaufen und dass allen Beteiligten zusätzlicher Arbeitsaufwand, der wiederum Mehrkosten bedeutet, erspart wird. Neben dem Lektorat freut sich auch das Satzbüro über sauber vorbereitete Manuskripte: Sind bespielsweise Textelemente wie Überschriften, Zitate usw. den richtigen Formatvorlagen zugewiesen, können sie ohne mühevolles manuelles Nachjustieren vom Satzprogramm verarbeitet werden.

Erscheinungsbild: Seitengestaltung, Zitierweise, Präsentation von Text und grafischen Elementen, besondere Elemente wie Marginalspalten und Infoboxen, Transkriptionen, Schreibweisen und vieles mehr: Verlage haben für ihre Bücher – besonders für Reihen und Sammelbände – ein spezifisches Erscheinungsbild entwickelt, dessen Parameter zumindest teilweise durch die Richtlinien festgelegt sind. Betrachten Sie sich und Ihre Publikation als Gast im „Haus“ des Verlages oder der Buchreihe, in der Sie veröffentlichen: Im Haus des Gastgebers hält man sich nun einmal an dessen Regeln.

Erleichterung für spätere Anpassungen: Selbst im schlimmsten Szenario, dem Umarbeiten des Manuskripts nach neuen Vorgaben, das beispielsweise durch einen Verlagswechsel erforderlich wird, haben Sie es mit einem bereits richtliniengetreuen Manuskript deutlich leichter, denn einheitlich gestaltete, mehrfach wiederkehrende Elemente lassen sich viel besser durch die Suchen-und-Ersetzen-Funktion des Textverarbeitungsprogrammes ansteuern und anpassen.

Echte und vermeintliche Unverträglichkeiten

„Aber in meinem Fach gibt es ganz andere Standards“. Hier ist eine ehrliche Selbstprüfung angesagt: Erhebe ich diesen Einwand nur aus Bequemlichkeit? Oder beuge ich mich schlicht der Macht der Gewohnheit? Spielt Angst vor dem möglicherweise negativen Urteil der Fachkolleg/innen eine Rolle? Es gibt viele Gründe, Richtlinien abzulehnen, doch sind manche nur vorgeschoben oder irrational. Trotzdem, manchmal hilft tatsächlich alles nichts: Die Richtlinien lasen sich beim besten Willen nicht mit den Gepflogenheiten des eigenen Fachs vereinbaren. In diesem Fall sollte man gemeinsam mit dem Verlag oder dem Lektorat nach einer Lösung suchen.

Fazit

Wer bei der Vorbereitung der Publikation die verlagseigenen Richtlinien befolgt, profitiert von der Erfahrung der Publikationsprofis, spart sich und anderen vermeidbaren Kosten- und Zeitaufwand und erreicht so schneller das ersehnte Ziel, die Veröffentlichung.