Welcher Publikationsweg ist der beste?

Du ahnst es wohl schon – so pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten. Stattdessen ist es wichtig, dass du die Vor- und Nachteile der einzelnen Optionen gegeneinander abwägst und deine eigenen Ziele sowie deine jeweilige Situation in die Entscheidung mit einbeziehst.

Die folgenden Aspekte solltest du dir dabei genauer ansehen:

Reputationsgewinn

Das Publizieren in einem renommierten, in der Fachcommunity angesehenen Fachverlag ist für all diejenigen interessant, die eine wissenschaftliche Karriere anpeilen. Hier fügt sich die Dissertation in den Kontext eines spezifischen Verlagsprogramms ein – im Gegensatz zum oft etwas beliebig wirkenden Spektrum eines Dissertations- oder Universitätsverlags, der eine Vielzahl von Fächern abdeckt. Die Kehrseite des Publizierens im Fachverlag: der hohe Qualitätsanspruch und das sorgfältig entwickelte Verlagsprogramm bedeuten auch, dass nicht jedes Manuskript angenommen wird und dass hohe Qualitätsstandards einzuhalten sind.

Reichweite, Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit

Auf den ersten Blick nimmt bei der Reichweite ebenfalls der Fachverlag die Führungsposition ein: Er investiert in Werbung und Marketingaktivitäten, sorgt durch seine Präsenz auf großen Fachkonferenzen und den Versand von Rezensionsexemplaren sowie den Kontakt zu Fachbibliotheken, Pressearbeit und Versand von Neuerscheinungs-Informationen an ein interessiertes Fachpublikum dafür, dass seine Veröffentlichungen wahrgenommen werden. Abstriche muss man bei der Verfügbarkeit bzw. Nachhaltigkeit eventuell da machen, wo Bücher – wie bei Dissertationen üblich – in niedriger Auflage gedruckt und dann noch zu einem hohen Ladenpreis verkauft werden. Ist die Auflage vergriffen, wird oft nicht nachgedruckt, das Buch verschwindet damit vom Markt und ist bestenfalls noch in einigen Fachbibliotheken verfügbar.

Im Universitäts- und im Dissertationsverlag mögen die Buchpreise niedriger sein, doch gibt es hier in der Regel keinerlei Werbeaktivitäten – es sei denn, ihr springt selber ein und betreibt Werbung in eigener Sache (mehr dazu in Modul 5). Hinzu kommt, dass viele Dissertationsverlage nicht oder nur sehr eingeschränkt mit dem akademischen Buchhandel zusammenarbeiten, im Gegensatz zu den Fachverlagen.

In punkto Zugänglichkeit ist eine elektronische Open-Access-Veröffentlichung sicherlich die beste Lösung, ob die Datei nun auf dem Hochschulserver oder auf einem Verlagsserver liegt. In beiden Fällen wird die Publikation der Deutschen Nationalbibliothek gemeldet, von der sie auch eine stabile Internetadresse in Form einer URN erhält und bei der sie langfristig archiviert wird. Das elektronische Dokument wird bibliografisch und inhaltlich erschlossen und ist über Suchmaschinen, wissenschaftliche Literaturdatenbanken und Bibliothekskataloge auffindbar. Im Gegensatz zum gedruckten Buch gibt es keine Begrenzung durch die Auflagenhöhe oder dadurch, dass das Buch erst eine physische „Reise“ zu den Leser*innen machen muss. Was beim Hochschulserver fehlt, sind Werbe- und Marketingmaßnahmen, wie sie der Fachverlag unternimmt, damit das Buch in der Fachwelt beachtet wird. Hier kannst du versuchen, dieses Defizit durch etwas Werbung in eigener Sache auszugleichen (mehr dazu in Modul 5).

Qualität, Unterstützung und Beratung

Ein Fachverlag achtet in der Regel auf eine hohe inhaltliche und formale Qualität seiner Veröffentlichungen. Das beginnt mit der Auswahl und Prüfung eingereichter Manuskripte, die oft einem Peer-Review-Verfahren unterzogen werden. Bei Dissertationen ersetzen manchmal die Gutachten das Peer Review, um den Aufwand zu reduzieren. Von Autorinnen und Autoren wird erwartet, dass sie ihre Manuskripte sorgfältig vorbereiten und die formalen Vorgaben für Texte und Bilder erfüllen. Ein gründliches Fachlektorat ist leider nicht immer im Leistungspaket enthalten, immer häufiger bietet der Verlag lediglich ein formales Lektorat an, bei dem stichprobenartig geprüft wird, ob die Vorgaben eingehalten wurden. Gelegentlich vermittelt der Verlag den Kontakt zu externen Lektoratsprofis, deren Dienste dann aber separat bezahlt werden müssen. Auch Satz und Layout stellen längst nicht mehr eine selbstverändliche Verlagsleistung dar, hier gibt es prinzipiell zwei typische Szenarien: der Verlag erwartet von dir, dass du die Druckdatei eigenständig vorbereitest, möglicherweise mithilfe einer Dateivorlage; oder du musst nur die satzfertigen Dateien einreichen und der Verlag übernimmt Satz und Layout für dich. Die zweite Variante ist zumindest bei Büchern mit zahlreichen, meist in den Text integrierten Abbildungen die üblichere, die Satzkosten werden sich aber in der Kostenkalkulation niederschlagen. Beim Universitäts- und Dissertationsverlag gibt es in der Regel maximal ein formales Lektorat und wenig bis gar keine Unterstützung bei der Vorbereitung. Auch Print-on-demand-Anbieter haben meist ein stark eingeschränktes Leistungspaket. Im schlimmsten Fall gibt es von Verlagsseite keinerlei Qualitätskontrolle, die Verantwortung liegt damit allein bei dir.

Arbeitsaufwand

Beim Arbeitsaufwand sind mehrere Dinge zu berücksichtigen:
– die Anforderungen des Verlags
– deine eigenen Ansprüche an die Publikation
– die von dir zu erledigenden Arbeitsschritte

Die Anforderungen des Verlags: Bei Verlagspublikationen (vor allem im Fachverlag) wirst du eine Reihe von Vorgaben erfüllen müssen, die ein Umarbeiten deines Dissertationsmanuskripts erforderlich machen können. Möglicherweise verlangt der Verlag auch inhaltliche Anpassungen (die du aber unbedingt mit deinen Betreuer*innen abklären solltest).
Deine eigenen Ansprüche an die Publikation: Für eine Publikation auf dem Hochschulserver, im Selbstverlag oder bei einem Universitäts- oder Dissertationsverlag hast du voraussichtlich weniger externe Auflagen. Hier hängt es stark von deinen eigenen Ansprüchen ab, wieviel Zeit du in die Manuskriptvorbereitung und in Satz und Layout investierst. Satztechnisch kompliziertere Arbeiten (mit vielen Bildern oder Tabellen) können eine ganz schöne Herausforderung darstellen.
Die von dir zu erledigenden Arbeitsschritte: HIer gilt das im Abschnitt „Qualität, Unterstützung und Beratung“ Gesagte: es kann einen gehörigen Unterschied machen, ob du „nur“ die Satzvorbereitung erledigen musst oder auch für Satz und Layout und vielleicht sogar die Gestaltung des Buchcovers zuständig bist.

Zeitaufwand

Neben deiner eigenen Zeitinvestition kommt bei der Verlagsveröffentlichung noch die Zeit hinzu, die der Verlag für Manuskriptprüfung, eine eventuelle Begutachtung, Lektorat, Satz und Layout und die Korrekturphase benötigt – je nachdem, welche dieser Arbeitsschritte im Leistungspaket enthalten sind. Beim Fachverlag kann dieser Prozess ziemlich lange dauern, pauschale Angaben sind hier kaum möglich, aber auf eine Dauer von 3 Monaten bis zu einem Jahr muss man sich einstellen. Wenn der Verlag von dir eine fertige Druckvorlage erwartet, kann es hingegen sehr schnell gehen, hier musst du schätzungsweise 2 bis 4 Wochen einplanen.

Kosten

Das Publizieren im Fachverlag ist in der Regel die teuerste Variante, der Druckkostenzuschuss beläuft sich normalerweise auf eine vierstellige Summe; bei sehr aufwendigen Publikationen kann man auch mal im fünfstelligen Bereich landen. Abgesehen von den tatsächlich oft hohen Kosten für den Aufwand, der für eine Fachverlagspublikation getrieben wird, scheinen Fachverlage gelegentlich auch das Renommee in Rechnung zu stellen, das auf die dort publizierten Bücher „abfärbt“.

Eine Open-Access-Publikation im Fachverlag kann ebenfalls ziemlich teuer werden, hier wird anstelle des Druckkostenzuschusses eine Gebühr berechnet, die durchaus 5000 bis 6000 Euro betragen kann.

Weitaus günstiger sind Veröffentlichungen im Universitäts- oder Dissertationsverlag, vor allem weil hier der Marketing- und Werbeaufwand wegfällt und in der Regel die Arbeitsschritte bis zur Druckdatei in Autorenhand liegen. Eine parallele Open-Access-Publikation ist ebenfalls weniger kostenintensiv oder gar gratis.

Publizieren im Selbstverlag (also der Druck der Dissertation im Copyshop oder bei einer Online-Druckerei) sowie die Mikrofiche-Veröffentlichung verursachen überschaubare Kosten, je nach ANbieter und nach Anzahl der einzureichenden Exemplare. Kostenneutral ist der Upload der Dissertation auf den Hochschulserver, hier muss man höchstens die in der Promotionsordnung festgelegten gedruckten Pflichtexemplare einkalkulieren.

Über weitere mit der Dissertationspublikation verbundene Kosten gibt es eine eigene Lektion in Modul 1.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Im Prinzip gibt es hier zwei Modelle: Entweder überträgst du dem Verlag oder einer anderen publizierenden Institution die exklusiven Nutzungsrechte an deinem Manuskript. In diesem Fall musst du erst beim Verlag eine Erlaubnis einholen, bevor du eine Zweitveröffentlichung an anderer Stelle (beispielsweise auf einem Fachserver oder auf deiner eigenen Website) herausgeben kannst. Anders ist es bei der Übertragung eines einfachen Nutzungsrechts: Hier hast du für Zweitveröffentlichungen freie Hand. Wer mit einem kommerziellen Verlag einen Buchvertrag abschließt, muss oft ein exklusives Nutzungsrecht einräumen, bei Universitätsverlagen und Hochschulservern ist das in der Regel anders, hier genügt die Übertragung des einfachen Nutzungsrechts. Mehr Infos zu den rechtlichen Rahmenbedingungen gibt’s in einer separaten Lektion.

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