Kassenschlager

Eine Dissertation ist kein Harry-Potter-Roman – weder wird ihr Erscheinen von Millionen lesender Fans sehnsüchtig erwartet, noch spielt sie auch nur annähernd soviel Geld ein. Um ehrlich zu sein: Es ist extrem unwahrscheinlich, dass der Verkauf der Dissertations-Exemplare auch nur annähernd die bei der Herstellung entstehenden Kosten deckt. Klar, das Publikum für ein meist sehr spezifisches Forschungsthema ist kleiner als die Leserschaft eines Bestsellers aus dem Publikumsverlag, und unter einer Auflagenhöhe von 400 bis 500 Stück kann der Verlag kein Geld mit dem Buch verdienen oder im schlimmsten Fall nicht mal kostendeckend arbeiten. Dissertationen erleben aber oft wenig mehr als eine einzige Auflage mit 100 bis 150 Exemplaren, dann ist Schluss.

Wie wird das Ganze also finanziert?

Ja, genau: durch die Autorinnen und Autoren. Vermutlich hast du schon mal das Wort „Druckkostenzuschuss“ in diesem Zusammenhang gehört. Es ist etwas irreführend, denn erstens geht es nicht (nur) um die reinen Druckkosten, und zweitens klingt der Begriff „Zuschuss“ zunächst nach einem überschaubaren Sümmchen und entpuppt sich dann aber als Schock angesichts der Tatsache, dass Promovierende für ihre Publikation in einem Fachverlag meist eine vier-, manchmal sogar eine fünfstellige Summe hinblättern müssen.

Aber wie gesagt: Es geht hier nicht um Harry-Potter-Romane, und gerade in den Geistes- und Sozialwissenschaften kannst du davon ausgehen, dass die Verlage mit der Veröffentlichung von Dissertationen keine traumhaften Gewinne erzielen. Neben den reinen Herstellungskosten müssen sie ja auch Vertriebs- und Betriebskosten (die sog. Gemeinkosten) finanzieren. Und warum eine derart üppige Summe als „Zuschuss“ bezeichnet wird, sehen wir gleich.

Wie berechnet sich der Druckkostenzuschuss?

Eine Verlagskalkulation setzt sich zusammen aus einer Gegenüberstellung der geschätzten Kosten und der erwarteten Einnahmen innerhalb eines Zeitraums von 1 bis 3 Jahren nach der Veröffentlichung. Das bedeutet, die Kosten abzüglich der erwarteten Einnahmen ergeben den Zuschussbedarf für eine Publikation – und damit haben wir auch eine Erklärung für den etwas verwirrenden Begriff.

Welche Posten und Angaben kann eine Verlagskalkulation enthalten?

  • die Kosten für die Herstellung (Gestaltung, Druck, Papier, Bindung, Umschlag). Basisangaben: Anzahl der Seiten, Anzahl der Farb- und Schwarzweiß-Abbildungen, Ausstattung (z. B. Hardcover oder Paperback, Bindung oder Heftung)
  • die anteiligen sog. Verlagsgemeinkosten
  • Höhe des Nettoladenpreises
  • erwarteter Nettoerlös der ersten 1 bis 3 Jahre (abzüglich Buchhandelsrabatt und Auslieferungskosten)

Wie hoch sind die Kosten bei Universitäts- und Dissertationsverlagen?

Bei diesen Verlagen sind die Preise in der Regel deutlich niedriger, wobei auch hier pauschale Angaben nicht möglich sind: Zum einen sind universitäre Eigenverlage nicht kommerziell ausgerichtet. Zum anderen investieren sowohl Universitäts- als auch Dissertationsverlage kaum in Werbe- und Marketingaktivitäten für ihre Bücher investieren. Außerdem bieten sie ihren Autorinnen und Autoren nur einen eingeschränkten Service und erwarten meist, dass diese die Publikationsvorbereitung (inklusive Lektorat/Korrektorat sowie Satz und Layout) selbst übernehmen.

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