So viele Möglichkeiten …

In der vorigen Lektion kam es schon zur Sprache: das Spektrum an Veröffentlichungs-Möglichkeiten für Promovierende ist ziemlich groß, so dass es manchen schwerfällt, sich für einen bestimmten Publikationsweg zu entscheiden. Wenn du bereits begonnen hast, das Workbook auszufüllen, zeichnet sich ja vielleicht schon eine Präferenz ab. In dieser Lektion sehen wir uns die einzelnen Optionen mit ihren Vor- und Nachteilen genauer an.

Je nach Promotionsordnung stehen dir einige oder alle der folgenden Möglichkeiten offen:

  • Abgabe der Dissertation in Mikrofiche-Form
  • Abgabe einer bestimmten Anzahl von kopierten Exemplaren („Selbstverlag“ bzw. „Eigenverlag“)
  • Upload der Dissertation als PDF auf den Hochschulserver
  • Print-on-demand-Veröffentlichung
  • Veröffentlichung im Dissertationsverlag
  • Veröffentlichung im Universitätsverlag
  • Veröffentlichung im Fachverlag
  • kumulative Veröffentlichung
  • Hybrid-Veröffentlichung

Bevor du dir die einzelnen Optionen genauer ansiehst, solltest du zunächst klären, welche davon deine Promotionsordnung zulässt.

Deine Aufgabe:

Suche auf der Website deiner Uni bzw. deiner Fakultät die für dich geltende Promotionsordnung (Vorsicht, manchmal gibt es mehrere Versionen, die für verschiedene Gruppen von Promovierenden gelten.  Notiere dir, welche Publikationsoptionen deine Uni bzw. Fakultät erlaubt und welche Vorgaben damit verbunden sind.

Tipp: Notiere dir bei dieser Gelegenheit am besten auch sämtliche Hinweise der Promotionsordnung zur Veröffentlichung und stelle sicher, dass du nichts übersiehst oder im Laufe der Publikationsvorbereitung vergisst. Beispielsweise schreiben einige Promotionsordnungen vor, dass das Impressum einer im Verlag veröffentlichten Dissertation einen Hinweis auf die Universität o. ä. enthält. So etwas gerät leicht in Vergessenheit, bis man endlich an dem Punkt ist, wo das Impressum entsteht. Fehlt der entsprechende Eintrag im Impressum, kann dies zu Problemen führen.

Die Optionen im Detail

Abgabe von kopierten Diss-Exemplaren („Selbstverlag“ oder „Eigenverlag“)

Einige Promotionsordnungen erlauben auch die Veröffentlichung im sog. Selbstverlag. Das bedeutet, dass von der Arbeit eine bestimmte (meist vergleichsweise hohe) Anzahl von Kopien erstellt und gebunden wird, die dann als Hochschulschriften bei der Universitätsbibliothek eingereicht werden. Diese leitet zwei Exemplare an die Deutsche Nationalbibliothek weiter. Diese nicht an allen Unis und Fakultäten zugelassene Veröffentlichungsform verursacht überschaubare Kosten (abhängig von der Zahl der abzugebenden Exemplare) und sehr geringen Aufwand, da es wenige bis gar keine Vorgaben für Formatierung und Layout der Arbeit gibt. Manche Unis erlauben die Copyshop-Variante nur in Verbindung mit einem Upload des Diss-PDFs auf den Uniserver. In diesem Fall wird nur ein elektronisches Pflichtexemplar an die Deutsche Nationalbibliothek weitergeleitet.

Abgabe der Dissertation in Mikrofiche-Form

Eine im Lauf der Zeit seltener gewordene Option ist die Abgabe der Dissertation in MIkrofiche-Form. Dabei werden die Seiten der Arbeit stark verkleinert auf Filmmaterial kopiert. Aus dem sog. Masterfiche kann dann eine beliebige Anzahl von Mikrofichekopien erstellt werden. Zusätzlich zum Masterfiche und den Mikrofiches muss eine bestimmte Anzahl von Druckexemplaren eingereicht werden. Die Mikrofiche-Option ist relativ kostengünstig. Manche Promovierende entscheiden sich für diesen Weg, um erstmal relativ schnell die Promotion abschließen und sich dann später in Ruhe mit der Veröffentlichung in einem Fachverlag, manchmal auch in einem ausländischen Universitätsverlag befassen zu können.

Veröffentlichung auf dem Hochschulserver

Die wohl unkomplizierteste, schnellste und günstigste Publikationsmöglichkeit ist der Upload des Dissertations-PDF auf den Server der Universität. Einige Unis bieten die Möglichkeit an, zusätzlich eine Druckversion des Buchs bei einem Print-on-Demand-Anbieter herstellen zu lassen; letztere ist natürlich kostenpflichtig, für den Upload entstehen dagegen keine Kosten. Die Dissertation ist damit den Open-Access-Prinzipien entsprechend im Volltext weltweit verfügbar, und das dauerhaft (auf den Servern der Universität und der Deutschen Nationalbibliothek). Sie ist über Suchmaschinen, Literaturdatenbanken und Bibliothekskataloge auffindbar und bekommt mit einer URN oder doi auch eine dauerhaft zitierbare Internetadresse.

Veröffentlichungsformat ist bei der Serverpublikation das PDF. Um Satz und Layout musst du dich selbst kümmern, einige Unis stellen aber Vorlagen für Word und LaTeX zur Verfügung. Die PDF-Einstellungen müssen den Vorgaben der Universität entsprechen, außerdem werden beim Upload noch einige weitere Daten abgefragt, darunter Keywords und eine Zusammenfassung der Arbeit (beides meist in deutscher und englischer Sprache). Dazu mehr in Modul 5.

Ein weiterer Vorteil der Veröffentlichung auf dem Hochschulserver ist die Möglichkeit, zugehörige Forschungsdaten mitzuveröffentlichen. Nähere Infos erhältst du bei deiner Hochschule bzw. der Uni-Bibliothek, die meistens für die digitale Veröffentlichung von Dissertationen und anderen Arbeiten zuständig ist.

Zusätzlich zur digitalen Veröffentlichung muss eine bestimmte Anzahl von Druckexemplaren eingereicht werden.

 

Print-on-demand-Veröffentlichung

Beim printing on demand bzw. book on demand stellst du dem Verlag eine Druckdatei zur Verfügung. Dein Buch erhält eine ISBN (Internationale Standardbuchnummer) und wird auch in Buchhandelsverzeichnissen (im VLB, dem Verzeichnis lieferbarer Bücher) gelistet, es ist damit für Interessierte im Handel verfügbar. Wenn jemand dein Buch bestellt, wird es gedruckt, gebunden und ausgeliefert. Der Preis für eine solche Veröffentlichungsform ist in der Regel günstig, aber du erhältst auch meist keine Unterstützung bei der Erstellung der Druckdatei, und der Verlag wird keine Werbemaßnahmen ergreifen.

Achtung: Achte unbedingt darauf, ob die Print-on-demand-Option mit den Vorgaben deiner Promotionsordnung vereinbar ist. Dort ist möglicherweise eine Mindestauflage gefordert, die du bei einer Produktion nach Bedarf gar nicht oder erst im Laufe eines längeren Zeitraums erreichst.

 

Veröffentlichung im Dissertationsverlag

Was ist ein Dissertationsverlag? Die Verlegerin Barbara Budrich hat es wohl am treffendsten beschrieben: Wer „Dissertation veröffentlichen“ in die Suchmaschine eingibt, sieht sich mit zahlreichen Verlagsangeboten konfrontiert. Dahinter stecken in der Regel keine Fachverlage, sondern klassische Dissertationsverlage. Die heißen so, weil sie sich auf Produktion und Verkauf von Dissertationen spezialisiert haben, wobei das Finanzierungsmodell, aber auch das Leistungsspektrum sehr unterschiedlich aussehen kann. Zudem besitzen Dissertationsverlage im Gegensatz zu Fachverlagen kein eigenes Programmprofil, da sie normalerweise Arbeiten aus allen Fächern veröffentlichen. Sie machen keine Werbung für die Bücher, so dass man als Autor*in selber aktiv werden muss, wenn man an einer gewissen Verbreitung der Arbeit interessiert ist. Wenn ein Druckkostenzuschuss berechnet wird, so fällt dieser deutlich niedriger aus als beim Fachverlag – oft bewegt er sich eher im dreistelligen oder im niedrigen vierstelligen Bereich. Manche Dissertationsverlage verlangen keinen Druckkostenzuschuss, verpflichten die Autor*innen aber dazu, einen Teil der Auflage zu kaufen. Wo der Verlag eine kostenlose Veröffentlichung anbietet, sollte man genau hinsehen, hier sind die Kosten oft im Kleingedruckten des Vertrags versteckt. Ganz misstrauisch sollte man sein, wenn sich ein Verlag ungefragt per Mail anbietet und vollmundige Versprechen macht. Nicht selten verbergen sich dahinter Unternehmen, die ihren Kunden oftmals zuviel Geld für schlechte Qualität abknöpfen. Seriöse Dissertationsverlage bieten ihren Autor*innen dagegen durchaus Service und Unterstützung. Es empfiehlt sich, die Leistungsbeschreibung sehr genau zu prüfen und bei Bedarf nachzufragen, welche Aufgaben der Verlag übernimmt.

Veröffentlichung im Universitätsverlag

Wer an einer Universität promoviert, die einen eigenen Verlag betreibt, hat die Möglichkeit, dort zu publizieren. Universitätsverlage gibt es in Deutschland – anders als in den USA oder in Großbritannien – noch nicht sehr lange, die frühesten wurden in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts etabliert. Ein Universitätsverlag steht allen Angehörigen der Universität für die Publikation ihrer Schriften offen, daher verlegt er normalerweise alle an der Universität vertretenen Fächer. Damit besitzt er nicht die Reputation eines Fachverlags, aber er bietet einige Vorteile: meist werden Open-Access-Publikationen unterstützt, denn oft besteht die Möglichkeit, hybrid zu veröffentlichen, also gedruckt und elektronisch. Die Publikationskosten sind beim Universitätsverlag deutlich geringer als beim Fachverlag. Dafür sind die Werbeaktivitäten deutlich eingeschränkt (oder nicht-existent), und von den Autor*innen wird in der Regel erwartet, dass sie die Druckdatei selbst vorbereiten – wobei der Verlag aber Unterstützung anbieten kann. Ein Lektorat gibt es äußerst selten, eher wird stichprobenartig geprüft, ob ein Manuskript in Ordnung ist (das sog. Formallektorat).

Achtung: Es gibt einige wenige außeruniversitäre Verlage wie z. B. den Leipziger Universitätsverlag, die gewinnorientiert arbeiten. Bei ihnen gilt die Einschränkung auf Hochschulangehörige nicht, dafür ist aber mit höheren Publikationskosten zu rechnen als beim Eigenverlag einer Universität.

Veröffentlichung im Fachverlag

Nicht alle wissenschaftlichen Fachverlage veröffentlichen Dissertationen. Wenn sie es tun, dann sind sie in der Regel ziemlich wählerisch, d. h. sie achten auf hohe Qualität (bzw. eine entsprechende gute Benotung) der Dissertation, prüfen, ob diese ins Verlagsprogramm passt, und sie stellen Autor*innen einen Druckkostenzuschuss in Rechnung. Das ist im Prinzip gerechtfertigt, denn Dissertationen sind meist viel zu speziell, um mehr als eine kleine Anzahl an Exemplaren verkaufen zu können. Oft ist es schon schwierig, die von vielen Promotionsordnungen geforderte Mindestauflage von 150 Stück zu verkaufen. Unter einer Auflage von ca. 400 Exemplaren lässt sich ein Buch aber einfach nicht kostendeckend produzieren. Neben den Produktionskosten werden über die Druckkostenzuschüsse auch die sog. Gemeinkosten des Verlags mitfinanziert, also interne Kosten wie z. B. Gehälter. Verlage mit hoher Reputation lassen diesen Faktor oft auch in die Kalkulation mit einfließen. Pauschale Preisangaben sind einfach nicht möglich, da sie von Verlag zu Verlag variieren und zudem von der Ausstattung des Buchs und von anderen Faktoren abhängig sind. Wir bewegen uns hier aber eher im vierstelligen Euro-Bereich, und bei aufwendigen – z. B. bildreichen kunsthistorischen oder archäologischen – Publikationen gibt es auch Kalkulationen um 10 000 und mehr Euro.

Wer seine Dissertation gerne (zusätzlich) als Open-Access-Publikation herausbringen will, muss mit weiteren Kosten rechnen, die um die 5000 bis 6000 Euro liegen können.

Tipp: Erkundige dich bei deiner Universität, ob es Rahmenverträge mit Verlagen gibt, die Uni-Angehörigen günstige Konditionen einräumen.

Kumulative Veröffentlichung

In einigen Universitäten bzw. Fakultäten kann auch die Veröffentlichung mehrerer Artikel in wissenschaftlichen Fachzeitschriften als Dissertation anerkannt werden. Kumulative Dissertationen (manchmal auch Pubikationsdissertationen genannt) sind vor allem in den Naturwissenschaften verbreitet, aber vereinzelt findet man sie auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften, insbesondere in der empirischen Forschung. Diese Publikationsform kann sich über einen langen Zeitraum hinziehen, da eingereichte Beiträge in der Regel ein Begutachtungsverfahren (Peer Review) durchlaufen. Im schlimmsten Fall wird ein Beitrag abgelehnt, bleibt nur noch die Möglichkeit, ihn bei einem anderen Journal einzureichen. Für die Form einer kumulativen Dissertation gibt es unterschiedliche Regelungen zur Anzahl der einzureichenden Artikel und zur formalen Gestaltung der Dissertation, z. B. die Einbettung der Artikel in eine übergreifenden, die Beiträge zusammenfassenden Teil. Einige Promotionsordnungen lassen auch ein Gemisch aus veröffentlichten und noch nicht veröffentlichten (aber in der Regel bereits angenommenen oder zumindest in der Begutachtung befindlichen) Beiträgen zu.
Achtung: Bei kumulativen Dissertationen ist es besonders wichtig, auf die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben zu achten, also abzuklären, ob und unter welchen Bedingungen eine Zweitveröffentlichung möglich ist.

Hybrid-Veröffentlichung

Mit Hybrid-Veröffentlichung ist die kombinierte Publikation eines gedruckten Buches und einer Online-Fassung gemeint. Möglich ist das in unterschiedlichen Varianten: Einige Hochschulen, bei denen man die Arbeit auf den Hochschulserver lädt, haben Rahmenverträge mit Print-on-demand-Anbietern für eine gedruckte Fassung, alternativ kannst du dir selbst einen Print-on-demand-Anbieter suchen. Print-on-demand-Anbieter wiederum bieten ihren Autor*innen oft die Möglichkeit, eine elektronische Version des Buchs auf den Verlagsserver hochzuladen. Auch beim „normalen“ Verlag gibt es oft die Option, parallel zur Druckversion ein ebook zu veröffentlichen. Sollte dies für das Publikum frei zugänglich (also Open Access) sein, kann dies allerdings gerade im Fachverlag ziemlich teuer werden. Hier lohnt es sich möglicherweise, über eine Embargofrist zu diskutieren (mehr dazu in der Lektion „Buchvertrag“).

Und nun?

Du hast nun einen Überblick über die verschiedenen Publikationswege. In der nächsten Lektion sehen wir uns an, welche Vor- und Nachteile mit den einzelnen Optionen verbunden sind. Und wir werden etwas System in das Wirrwar aus Entscheidungskriterien bringen.

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