Ungeliebte Lektüre

Mit den Buchverträgen ist es eine merkwürdige Sache. Manche Leute fühlen sich unwohl, wenn sie sich mit Rechtsfragen beschäftigen müssen, sie befürchten, dass man sie über den Tisch ziehen will und prüfen Vertragsentwürfe deshalb mit Argusaugen. Nicht selten vermuten sie hinter jeder Klausel eine Gemeinheit – unterschreiben am Ende dann aber doch, ohne die Details wirklich verstanden oder gar einzelne Punkte verhandelt zu haben. Andere kürzen diesen quälenden Prozess ab und unterschreiben einfach, ohne zu wissen, welche Verpflichtungen sie damit eingehen.

Beides sind natürlich keine idealen Strategien, daher gehen wir hier kurz auf die wesentlichen Punkte ein.

Was sollte in deinem Buchvertrag stehen – und was nicht?

Kernstück eines Buchvertrags ist die Vereinbarung, dass die Autorin bzw. der Autor dem Verlag ein Manuskript überlässt und dass der Verlag sich verpflichtet, dieses Manuskript zu veröffentlichen. Alles Weitere variiert von Vertrag zu Vertrag. Die folgende Liste ist daher eher zur Orientierung gedacht, es müssen nicht immer alle Punkte enthalten sein:

  • Titel (bzw. Arbeitstitel) der geplanten Publikation
  • Informationen zum Manuskript: Umfang, ggf. Abgabetermin
  • Angaben zur Buchausstattung
  • Höhe der ersten Auflage, eventuell Angaben zu Folgeauflagen
  • Höhe des Autorenhonorars (sofern es überhaupt eines gibt)
  • Verkaufspreis
  • Autorenrabatt (meist 30 bis 40 %)
  • Freiexemplare, Rezensionsexemplare
  • Verlagspflichten wie Werbung und Vertrieb
  • Verlagsleistungen (wie Lektorat oder Satz und Layout)
  • Haftungsausschluss des Verlags bei Urheberrechtsverletzungen etc.
  • Autorenpflichten: Einreichung eines satzfertigen Manuskripts oder einer Druckvorlage, Überprüfung der Korrekturfahnen (ggf. mit Angabe konkreter Zeiträume)
  • Angaben zum Druckkostenzuschuss (bzw. der Verweis auf eine angehängte Kostenkalkulation)
  • Angaben zur Abnahme von Pflichtexemplaren

Geldfragen: hier solltest du genauer hinsehen

Die Liste oben zeigt schon: es gibt eine Menge Dinge, die in einem Buchvertrag geregelt sein können. Ein besonders wichtiger Punkt sind für dich natürlich die mit der Veröffentlichung verbundenen Kosten. Manchmal sind die ganz klar und direkt benannt, etwa in der Kalkulation des Druckkostenzuschusses. Gelegentlich sind sie etwas besser versteckt, beispielsweise wenn Leistungen wie Lektorat oder Satz und Layout oder die Gestaltung eines Buchcovers nicht im Basisangebot enthalten sind, sondern als optionale (oft externe) Leistungen separat berechnet werden. Oder wenn im Vertrag eine bestimmte Anzahl von Pflichtabnahmeexemplaren festgelegt ist.

Der springende Punkt: einfaches und exklusives Nutzungsrecht

Im deutschen Urheberrecht ist festgelegt, dass Urheberinnen und Urheber das Nutzungsrecht zur Vervielfältigung und Verbreitung (und damit zur Veröffentlichung) ihrer Werke an andere abtreten können (§§29 und 31 UrhG). Dieses Nutzungsrecht gibt es in zwei Ausführungen, und genau da solltest du genau hinsehen, wenn man dir einen Vertrag vorlegt:

  • Beim einfachen Nutzungsrecht erlaubst du dem Vertragspartner, dein Werk zu veröffentlichen, behältst aber das Recht, dies parallel auch selber zu tun. Damit hältst du dir die Möglichkeit der Zweitveröffentlichung offen.
  • Beim exklusiven Nutzungsrecht gibst du dieses Recht komplett ab: ausschließlich dein Vertragspartner darf dein Manuskript veröffentlichen, niemand sonst. Auch du nicht – es sei denn, du vereinbarst in einer separaten Klausel, dass du zweitveröffentlichen darfst. Meist ist das mit gewissen Bedingungen verbunden (s. u.).

Das exklusive Nutzungsrecht

Bei Universitäts- und Dissertationsverlagen mag es anders aussehen, aber bei Verträgen mit Fachverlagen wirst du meistens die zweite Version finden, die Abtretung des ausschließlichen Nutzungsrechts. Aus Verlagsperspektive ist das nachvollziehbar: wenn der Verlag weniger Exemplare verkaufen kann, weil das Buch andernorts verfügbar ist (z. B. als elektronische Open-Access-Ausgabe), dann leidet natürlich der Umsatz darunter. Daher versucht er, eine Zweitveröffentlichung entweder ganz zu verhindern oder diese nur unter bestimmten Bedingungen zuzulassen, beispielsweise durch eine Embargofrist (auch moving wall genannt). Dabei darf die Zweitveröffentlichung erst nach Ablauf eines bestimmten Zeitraums (meist irgendetwas zwischen zwei und fünf Jahren) erfolgen.

Wenn der dir vorgelegte Vertrag keine Zweitveröffentlichungsklausel enthält, kannst du dir überlegen, ob du mit dem Verlag darüber verhandeln willst. Eine Vertragsergänzung könnte dann zum Beispiel so lauten:

Die Autorin / Der Autor behält das nichtexklusive Recht, gleichzeitig zur Verlagspublikation//nach Ablauf einer Frist von … Monaten/Jahren eine digitale Kopie der Publikation auf einen akademischen Non-Profit-Server zu legen.

Beispiele und Musterverträge

Wer sich vorab schon einmal Beispielverträge ansehen möchte, kann sich auf den Websites von Universitätsverlagen umsehen, dort gibt es meistens Veröffentlichungsverträge zum Download (beispielsweise beim Verlag der TU Berlin oder bei der University of Bamberg Press):

https://verlag.tu-berlin.de/wp-content/uploads/2021/04/verlagsvertrag_uv_tub_muster.pdf

https://www.uni-bamberg.de/fileadmin/uni/wissenschaft_einricht/universitaetsbibliothek/UBP/Vertrag.pdf

Auch einige Dissertationsverlage und Fachverlage bieten Vertragsvorlagen zum Download an. Falls nicht, kannst du dir den Mustervertrag für wissenschaftliche Werke ansehen, den der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gemeinsam mit dem Deutschen Hochschulverband entwickelt hat. Viele Verlagsverträge orientieren sich sehr stark an diesem Muster, das zudem zahlreiche Hinweise und Erläuterungen zu den einzelnen Vertragsregelungen enthält.

https://www.boersenverein.de/beratung-service/recht/verlagsrecht-mustervertraege/ (unter der Überschrift „Bestell- oder Werkverträge“ finden sich Infos zu wissenschaftlichen Verlagswerken).

Mustervertrag für wissenschaftliche Monografie ab S. 23:

file:///C:/Users/nadin/AppData/Local/Temp/Normvertrag_Vertragsnormen_fuer_wissenschaftliche_Verlagswerke_2000.pdf

 

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner