Verlagssuche

Verlagsliste mit Ranking?

Auch wenn es sehr komfortabel wäre: konkrete Verlagsempfehlungen gibt es an dieser Stelle nicht, und zwar aus mehreren Gründen:

  • Autorinnen und Autoren können mit ein und demselben Verlag durchaus unterschiedliche Erfahrungen machen.
  • Leistungsspektrum und Qualität eines Verlags sind keine feste Größe, sie können sich im Lauf der Zeit ganz wesentlich verändern. Manchmal kann das auch ziemlich schnell gehen, gerade wenn ein Verlag durch einen anderen aufgekauft und die Geschäftspolitik von einem auf den anderen Tag umgestellt wird.
  • Verlag ist nicht gleich Verlag: es gibt große Verlage mit viel Werbe- und Marketing-Power und kleine Häuser, die trotz ihrer geringeren Ressourcen manchmal mehr Service und Betreuung anbieten als die großen Player; einige Verlage haben ein weites Fächerspektrum, andere sind hochspezialisiert; manche bieten unterschiedlichste Publikationsformate vom gedruckten Buch bis zur Open-Access-Publikation an, andere konzentrieren sich eher auf die traditionelle Buchpublikation …
  • Welche Verlage überhaupt in Frage kommen, variiert von Fach zu Fach. Kaum jemand wird einen Überblick über die gesamte, sich zudem ständig verändernde Verlagslandschaft haben.

Hilfe zur Selbsthilfe: Recherchetipps

Es ist also unabdingbar, dass du selbst ein wenig Recherche betreibst. Im Prinzip sitzt du ja an der Quelle, denn vermutlich wird die ein genauerer Blick auf deine Literaturliste schon einige Möglichkeiten erschließen. Achte mal auf die Verlage, in denen für dich relevante Bücher erschienen sind. Bei genauerem Hinsehen kannst du auch feststellen, welche Verlage Doktorarbeiten deines Fachs oder deines Spezialthemas herausbringen, indem du auf Hinweise aus dem Impressum oder der Einleitung achtest. Nicht jeder Verlag ist bereit, Dissertationen zu veröffentlichen. Gibt es vielleicht Buchreihen, in die deine Dissertation passen könnte? 

Außerdem solltest du dich in deiner eigenen Fachcommunity umhören und um Empfehlungen bitten. Im allerbesten Fall hat jemand aus deiner Umgebung Kontakte zu Verlagsleuten oder Reihenherausgebern. Doktorväter und -mütter können in solchen Fällen ein gutes Wort für dich einlegen oder dir zumindest einen guten Tipp geben. Ein bisschen Vorsicht ist hier allerdings auch geboten, denn manche Empfehlungen sind überholt: Vielleicht hat deine Doktormutter hervorragende Erfahrungen mit einem Verlag gemacht, der seit den Tagen ihrer Promotion leider sein Serviceangebot drastisch reduziert hat …  Das wirst du aber spätestens bei der Kontaktaufnahme merken, wenn du die Tipps aus der folgenden Lektion berücksichtigst.

Wer tiefer in die Recherche einsteigen will, kann auch die Publikationslisten von Mentorinnen und erfahrenen Vertretern des Fachs bzw. frisch Berufenen analysieren und möglicherweise passende Verlage herausfiltern.

Verlagsleistungen: eine Checkliste

Bislang hast du nach fachlich-inhaltlichen Aspekten recherchiert. Wenn du einige Verlage in die engere Auswahl genommen hast, ist es an der Zeit, dir das Leistungsspektrum deiner Kandidaten genauer anzusehen. Die folgende Checkliste kann dir dabei helfen, wobei du einige Punkte bereits durch eine Internet-Recherche, andere dagegen erst nach einer Kontaktaufnahme mit dem Verlag klären kannst. Konzentriere dich bei der Recherche auf die Punkte, die für dich relevant sind, du musst nicht unbedingt alle abarbeiten:

  • Wie stark sind Bücher des Verlags in Fachbibliotheken vertreten? Hier kannst du beispielsweise die Suchfunktion des Karlsruher Virtuellen Katalogs nutzen (KVK)
  • Wo und wie macht der Verlag Werbung für seine Bücher? Verschickt er Kataloge und Werbemails, ist er im Internet und auf Fachkonferenzen präsent?
  • Versendet der Verlag Rezensionsexemplare? Wie viele wären das im Fall einer Dissertationsveröffentlichung?
  • Wie hoch ist die Auflage? Rechne bei einer Dissertation mit eher geringen Auflagen – üblich sind so um die 100 bis 150 Exemplare, mehr wird meistens nicht gedruckt. Schau bei der Gelegenheit auch gleich mal in deine Promotionsordnung, ob dort eine Mindestauflage gefordert ist.
  • Wie hoch ist der Ladenpreis? Das ist einerseits relevant für die mögliche Verbreitung eines Buches, denn sehr teure Bücher werden seltener gekauft als günstige; andererseits betrifft es natürlich dich direkt, wenn du eigene Exemplare kaufen willst oder gar musst (beispielsweise wenn du Belegexemplare für Bildgeber brauchst). Verlage gewähren dir übrigens in der Regel einen Autorenrabatt von 30 bis 40 % auf die eigene Publikation und oft auch auf alle anderen Titel aus dem Verlagsprogramm.
  • Wie viele Autorenexemplare (bzw. Freiexemplare) bekomme ich? Wie gesagt, es ist durchaus möglich, dass du eine ganze Reihe von Exemplaren brauchst, für Pflichtabgabeexemplare, für deine Betreuer, für Leute und Institutionen, die dir Bildmaterial zur Verfügung stellen usw.
  • Wie hoch ist mein Kostenanteil? In der Regel wird dies als Druckkostenzuschuss bezeichnet. Sofern der Verlag dir keinen Druckkostenzuschuss in Rechnung stellt, prüfe genau, ob dir an anderer Stelle Kosten entstehen, beispielsweise weil man dir nur ein einziges Freiexemplar zur Verfügung stellt und du die übrigen benötigten Exemplare für viel Geld kaufen musst oder weil im Kleingedruckten eine größere Menge von Pflichtabnahmeexemplaren verzeichnet ist, so dass du einen Großteil der Auflage selber finanzieren musst.
  • Welche Leistungen bietet mir der Verlag? Genauer: welche Arbeitsschritte übernimmt der Verlag und was bleibt dir überlassen? Bringe in Erfahrung, ob es ein Fachlektorat gibt (das ist ziemlich selten) oder zumindest ein formales Lektorat (das ist häufiger), ob der Verlag Satz und Layout übernimmt oder ob man von dir erwartet, dass du eine druckfertige Datei einreichst. Wie sieht es mit der verlagsseitigen Unterstützung bei Bildbearbeitung, Grafikarbeiten und Bildrechteanfragen aus? Auch hier bekommen Autorinnen und Autoren oft keine oder nur sehr wenig Unterstützung, du solltest hier also keine allzu großen Erwartungen haben.
  • Bekomme ich ein Honorar? Das ist eher selten der Fall und bei den meist geringen Verkaufszahlen von Dissertationen sowieso kein besonders interessantes „Geschäftsmodell“ für dich. Außerdem solltest du hier – gerade bei Dissertationsverlagen – genau prüfen, ob es sich nicht um ein Lockangebot handelt. Lupe raus fürs Kleingedruckte!
  • Wie sind die sonstigen Vertragsbedingungen? Erlaubt der Verlag beispielsweise eine Zweitveröffentlichung und wenn ja, zu welchen Konditionen? Hier kommen wir aber schon zu den Feinheiten des Buchvertrags, die in einer eigenen Lektion behandelt werden.
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